Mainz, den 8. März 2026 | Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat in ihrer jüngsten Sitzung deutliche Kritik an aktuellen gesundheitspolitischen Vorschlägen zur Steuerung von Arztterminen geäußert. Die IFA Rheinland-Pfalz unterstützt diese Einschätzung ausdrücklich und warnt davor, die Leistungsfähigkeit der ambulanten Versorgung weiter zu überfordern.
KBV-Chef Andreas Gassen machte in Berlin deutlich, dass politische Forderungen nach mehr Terminen nicht ohne eine verlässliche Finanzierung umgesetzt werden können. „Eine Termingarantie funktioniert nicht ohne Vergütungsgarantie“, betonte Gassen. Gleichzeitig kritisierte er Vorschläge, extrabudgetäre Vergütungen etwa für vermittelte Facharzttermine wieder zurückzunehmen. Es sei widersprüchlich, mehr Termine zu verlangen und gleichzeitig die finanziellen Anreize dafür zu streichen.
In der Debatte wurde zudem darauf hingewiesen, dass politische Entscheidungen auch dazu führen können, dass Termine faktisch aus dem System verschwinden. Der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Dr. Peter Heinz, warnte davor, dass bestimmte Leistungen durch politische Rahmenbedingungen so unattraktiv gemacht werden könnten, dass sie schlicht nicht mehr angeboten werden. In diesem Zusammenhang stehe die Zahl von 40 bis 50 Millionen möglichen Arztterminen pro Jahr, die unter solchen Bedingungen wegfallen könnten.
Die wirtschaftliche Realität in den Praxen sei bereits heute angespannt. Nach Angaben der KBV werden schon jetzt rund 40 Millionen fachärztliche Termine pro Jahr nicht vergütet. Zwischen 2019 und 2024 hätten Vertragsärztinnen und Vertragsärzte Leistungen im Wert von mehr als elf Milliarden Euro erbracht, ohne dafür eine entsprechende Bezahlung zu erhalten.
Auch KBV-Vizechef Stephan Hofmeister warnte vor politischen Konzepten, die an der Versorgungsrealität vorbeigehen. „Der direkte Zugang zu einer primärärztlichen Versorgung muss für alle Menschen gewährleistet bleiben“, sagte Hofmeister. Digitale Steuerungsinstrumente könnten sinnvoll sein, dürften jedoch nicht dazu führen, dass Patientinnen und Patienten zunächst an der Arztpraxis vorbei in digitale Strukturen gelenkt werden.
Zugleich verwies die KBV darauf, dass der ambulante Bereich häufig zu Unrecht als Kostentreiber dargestellt werde. Tatsächlich werden rund 97 Prozent aller Behandlungsfälle im ambulanten Bereich versorgt, während dafür lediglich etwa 16 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aufgewendet werden.
Vor diesem Hintergrund warnt die IFA Rheinland-Pfalz davor, Arztpraxen immer neue Aufgaben und Steuerungsmechanismen aufzuerlegen, ohne gleichzeitig die wirtschaftlichen Grundlagen der Versorgung zu sichern.
Die ambulante Versorgung ist das Fundament des deutschen Gesundheitssystems. Wer dieses System weiter belastet, ohne für stabile Rahmenbedingungen zu sorgen, riskiert langfristig eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.
Die IFA Rheinland-Pfalz unterstützt deshalb die Forderungen der ärztlichen Selbstverwaltung nach verlässlichen Rahmenbedingungen für die Praxen. Mehr Termine und zusätzliche Leistungen können nur dann dauerhaft angeboten werden, wenn sie auch angemessen finanziert werden.

