Mainz, den 15. März 2026 – Die Initiative der Fachärzte in Rheinland-Pfalz (IFA-RLP) hat die gesundheitspolitischen Konzepte der Parteien zur Landtagswahl analysiert. Viele Programme enthalten Vorschläge für neue Versorgungsstrukturen, stärkere Steuerung der Patientenströme, digitale Instrumente oder multiprofessionelle Teams. Aus Sicht der IFA RLP greift diese Debatte jedoch zu kurz.
„Termingarantie ohne Entbudgetierung bleibt Wahlkampfrhetorik“, erklärt die IFA-RLP. „Wenn Arzttermine garantiert werden sollen, muss zunächst die wirtschaftliche Grundlage der ambulanten Versorgung gesichert werden.“
Rund 85 Prozent der medizinischen Behandlungen in Deutschland finden im ambulanten, niedergelassenen Bereich statt. Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil dieser Leistungen aufgrund der Budgetierung nicht vollständig vergütet. Praxen müssen jedoch 100 Prozent der Versorgung erbringen, auch wenn im Durchschnitt nur etwa 80 bis 85 Prozent der Leistungen tatsächlich bezahlt werden.
„Ein System, in dem Leistungen vollständig erbracht werden müssen, aber nur teilweise vergütet werden, kann auf Dauer nicht funktionieren“, so die Initiative.
Vor diesem Hintergrund sieht die IFA-RLP die Vielzahl neuer Strukturideen – etwa Regiokliniken, zusätzliche Versorgungszentren oder neue Steuerungsmodelle – kritisch. Neue Organisationsformen allein schaffen keine zusätzlichen Arzttermine und lösen auch nicht den bestehenden Ärztemangel.
Die ambulanten Praxen sind bereits heute das Rückgrat der medizinischen Versorgung. Wenn Wartezeiten verkürzt und die Versorgung langfristig gesichert werden sollen, muss daher zuerst die Finanzierung der ambulanten Medizin stabilisiert werden.
Die Initiative der Fachärzte in Rheinland-Pfalz fordert deshalb von der künftigen Landesregierung, sich auf Bundesebene klar für eine vollständige Entbudgetierung der ambulanten ärztlichen Leistungen einzusetzen. Gleichzeitig müsse Bürokratie reduziert und die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten – insbesondere im ländlichen Raum – deutlich attraktiver gemacht werden.
„Neue Strukturen allein lösen keine Versorgungsprobleme“, betont die IFA-RLP. „Ohne eine solide Finanzierung der ambulanten Medizin bleiben viele politische Versprechen reine Theorie.“
Karl Barwich, Facharzt für HNO-Heilkunde, Pressesprecher, v.i.S.d.P.

