Studie bestätigt: die fachärztliche Versorgung findet überwiegend in der Niederlassung statt.

Mainz, am Ostersonntag 2026

Die aktuelle Analyse von Hahn et al. zur sogenannten „doppelten Facharztschiene“ liefert erstmals belastbare Zahlen zur Verteilung der fachärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen klar: Die Versorgung findet überwiegend im ambulanten Bereich statt. Damit ist die Forderung der IFA-RLP nach einer Kurskorrektur und endlich auch einer angemessenen Vergütung der ambulanten Leistungen (Endbudgetierung!) endlich mit Zahlen untermauert.

Mainz, am Ostersonntag 2026

Rund 96 Prozent der fachärztlichen Versorgungsstandorte sind dem vertragsärztlichen Bereich zuzuordnen. Etwa 86 Prozent aller Behandlungsfälle werden von niedergelassenen Fachärzten übernommen. Damit liegt die Hauptlast der Versorgung eindeutig außerhalb der Krankenhäuser.

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Versorgungsleistung und Personalverteilung. Während die Zahl der Fachärzte zwischen stationärem und ambulantem Bereich nahezu gleich verteilt ist (52 Prozent stationär, 48 Prozent ambulant), versorgen niedergelassene Fachärzte einen deutlich größeren Anteil der Patienten. Das spricht für eine hohe Effizienz der ambulanten Strukturen bei gleichzeitig wohnortnaher Versorgung.

Die Analyse zeigt zudem, dass sich die Struktur je nach Fachgebiet unterscheidet, insgesamt jedoch über Jahre hinweg stabil bleibt. Trotz steigender Facharztzahlen hat sich die Verteilung zwischen ambulanter und stationärer Tätigkeit kaum verändert.

Vor diesem Hintergrund erscheinen gesundheitspolitische Überlegungen, fachärztliche Leistungen stärker in den stationären Bereich zu verlagern, kritisch. Die Daten legen nahe, dass eine solche Zentralisierung erhebliche strukturelle Konsequenzen hätte: Das bestehende ambulante Versorgungsnetz würde deutlich reduziert, während Krankenhäuser ihre ambulanten Kapazitäten massiv ausbauen müssten – ein Szenario, das unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum realistisch ist.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die häufig geäußerte Kritik an ineffizienten Doppelstrukturen bislang nicht ausreichend empirisch belegt ist. Bestehende Probleme wie Doppeluntersuchungen oder Abstimmungsdefizite lassen sich eher durch bessere Vernetzung und interoperable Datenstrukturen lösen als durch grundlegende Systemveränderungen.

Auch ökonomisch ist die Situation eindeutig: Ambulante Leistungen werden häufig geringer vergütet als stationäre, sind jedoch zentral für die Sicherstellung der Versorgung. Der ambulante Bereich hat die Ambulantisierung maßgeblich getragen und wird dies auch weiterhin tun.

Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Bedeutung der vertragsärztlichen Strukturen für eine funktionierende fachärztliche Versorgung in Deutschland. Ohne die bestehenden ambulanten Kapazitäten wäre eine flächendeckende Versorgung nicht aufrechtzuerhalten.

Quelle: Hahn U et al., Doppelte Facharztschiene: Die Versorgungsbeiträge des vertragsärztlichen und des krankenhausgebundenen Strangs zu ausgewählten Parametern der fachärztlichen Versorgung; Thieme, Gesundheitswesen 2026; 88: 168–175

Karl Barwich, Pressesprecher der IFA-RLP, Facharzt für HNO-Heilkunde

V.i.S.d.P.